Licht

 

Ein Blick auf das Schaffen folgender herausragender Menschen zeigt,
dass Design mit sozialer Verantwortung bereits eine lange Geschichte schreibt:


TIBOR KALMAN (1949 – 1999)

Tibor Kalman prägte den Begriff “Designer als Autor”. Er forderte die Designer auf, selbstinitiativ und reflektiert zu handeln und antikapitalistische Projekte zu fördern. Kalman gehörte auch zu den Unterzeichnern der im Jahr 2000 erschienenen Neuauflage des “First things First manifest 2000″. Tibors Arbeit veränderte die Sicht der Designer und deren Rolle in Kultur und Gesellschaft nachhaltig. Für ein Jahrzehnt war er moralischer Kompass und Provokateur wie kein Anderer. Das AIGA (American Institute of Graphic Arts) schrieb 1999 nach dem frühen Tod Tibor Kalmans:
“Of the two names that changed design in the ’80s and ’90s—Mac and Tibor—one changed the way we work,
the other the way we think. The former is a tool, the latter was our conscience.”

 

AUSSCHNITT AUS DEM BUCH “TIBOR, Perverse Optimist”:

 

“Es geht um den Kampf zwischen leidenschaftlichen Individualisten und den heutigen gesichtslosen Unternehmensvorständen, die Eigenheiten entfernen, Kratzer polieren und einen unleidenschaftlich kulturellen Brei fabrizieren, der von niemandem geliebt oder gehaßt wird. Alle Autos sehen gleich aus. Architektonische Entscheidungen werden von Buchhaltern getroffen. Theater ist tot. Unsere Kultur ist Unternehmenskultur. Unternehmer bestimmen die kulturellen Geschmäcker. Filme werden zu Transportern von Produktbotschaften.
Findet die Risse in der Wand. Es gibt sehr wenige Unternehmer die verrückt genug sind um zu verstehen, daß Kultur und Design nicht dazu da sind dickere Geldbörsen, sondern eine bessere Zukunft zu machen. Sie werden verstehen, daß Reichtum ein Mittel und nicht das Ziel ist. Unter anderen Umständen wären sie vielleicht wie Du geworden, kreative Irre. Glaube mir, sie sind da und wenn Du sie findest, behandle sie gut und nutze ihr Geld, um die Welt zu verändern.”

 

 

»Wealth is a means, not an end.«

 

BIO: Kalman wurde 1949 in Budapest geboren und floh 1956 mit seiner Familie nach Amerika, wo er 1968 einen Job als Schaufensterdekorateur bei Barnes & Noble annahm. 1979 gründete er das design studio M&Co., das für 20 Jahre zu New Yorks bekanntesten designstudios zählte! 1990 übernahm er die Redaktion der Ausgaben 1-13 des COLORS-Magazine, das mit den Fotografien von Oliviero Toscani auf der ganzen Welt für Aufsehen sorgte.
Im Buch “COLORS – the kalman years” zitierte man ihn mit: “I’m not against beauty, it just sounds boring to me.”

 

 

  

 

 

VICTOR PAPANEK (1927 – 1999)

Victor Papanek predigte bereits in den 60ern, daß die Talente von Designern nicht an »Dinge, die die Welt nicht braucht« verschwendet werden sollten. Jeder Designer habe durch seine Ausbildung und seine Fähigkeit differenzierter Betrachtungsweisen die Möglichkeit, die Welt zu verändern.
Sein bereits 1970 erschienene Buch “Miljöu och Miljonerna” bzw. “Milieu (=Umwelt) für Millionen” und die erweiterte, amerikanische Ausgabe »Design for the real world«, stellt ein Pflichtwerk für Designer dar!
Das Buch wurde in 23 Sprachen übersetzt, ist das meistverkaufte Designbuch der Geschichte und mit seinen Anliegen heute aktueller denn je.

 

Das Buch beginnt mit folgenden Zeilen:
“Es gibt wenige Berufe die mehr Schaden anrichten können als Industrial Design. Es gibt wahrscheinlich nur einen Beruf der oberflächlicher ist: Werbedesign. Leute davon zu überzeugen, Dinge zu kaufen die sie nicht brauchen, mit Geld das sie nicht haben, um andere Leute zu beeindrucken, denen das egal ist. Damit ist es sehr wahrscheinlich der oberflächlichste Beruf, den es heute gibt […]”

 

GEWISSENSFRAGEN PAPANEKS’:
1. Brauchen Sie das Ding wirklich, oder hat Ihnen die Werbung eingeredet, dass Sie es gerne hätten?
2. Kann nicht etwas anderes, das Sie bereits besitzen, genauso diesen Zweck erfüllen?
3. Können Sie es mit jemanden teilen, es sich ausborgen oder mieten?
4. Können Sie es auch gebraucht kaufen?

 

 »Designer müssen an Türen klopfen, die sich noch nie aufgetan haben.«

 

BIO: Papanek wurde in Wien geboren und ist im Krieg in die USA geflüchtet, studierte Produkt-Design und Architektur. Er war Designphilosoph und ein starker Befürworter sozialen und ökologisch nachhaltigen Designs von Produkten, Werkzeugen und infrastrukturellen Einrichtungen.

 

 

  

 

 

R. BUCKMINSTER FULLER (1895 – 1983)

Fuller hat mit seiner Arbeit als einer der Ersten das Wirken der Natur als systemisches Wirken begriffen und machte sich strukturelle Formen der Natur zum Vorbild (Cradle-to-Cradle).
Er warf die Frage nach dem Sinn menschlichen Lebens auf und schrieb seine Gedanken im “User Manual for Spaceship Earth” nieder, in dem er damals bereits eine nachhaltige Benutzung unseres Raumschiffs Erde beschrieb. “Everybody is an Astronaut. We all live in a beautiful spaceship, called earth.”
Er untersuchte und propagierte die nachhaltige Fortentwicklung unserer Zivilisation durch technischen Fortschritt, um den “kosmischen Bankrott der Menschheit zu vermeiden”. Ebenso zeigte er auf, wie spontane Kooperationen das Leben der Menschen verbessern können (Collaborative consumption).
Fuller wird auch gerne als der “Leonardo da Vinci” unserer Zeit bezeichnet, da sein Talent so vielseitig war und das Interesse für die Natur der Dinge ungebrochen.

 

»The best way to predict the future is to design it.«

 

BIO: Der us-amerikanische Architekt, Konstrukteur, Designer, Philosoph und Schriftsteller war Begründer der Biomorphen Architektur und wurde 1895 in Massachusettes geboren.
Im Alter von 32 Jahren starb seine 5jährige Tochter an Lungenentzündung und er war bankrott.
Dem Selbstmord nahe, beschloss er sein Leben als Experiment zu verstehen. Er wollte herausfinden, wie ein einzelner Mensch dazu beitragen kann, die Welt positiv zu verändern. Er begann ein Tagebuch zu führen, in dem er sein Leben im 15-Minuten-Takt aufzeichnete. 50 Jahre lang.

 

Photocredits: © TIBOR: M. Nyytäjä for AIGA, © BUCKY: F. Blocher for the Kansas City Star, © VICTOR: R. Conran for Pantheon Books

Web-Sources: TIBOR – Perverse Optimist, COLORS – the kalman years, Design for the real world, User manual for spaceship earth

Print-Sources: www.aiga.com, bfi.org, wikipedia.org






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